Hyperbare Sauerstofftherapie
Die hyperbare Sauerstofftherapie (HBOT) gilt in der Schweiz zudem als Pflichtleistung der Krankenkassen. Dabei atmet der Patient in einer Druckkammer 100 % Sauerstoff ein. Die Behandlung ist Teil der Hyperbarmedizin. Der Patient sitzt oder liegt in der Druckkammer, in der der Druck bis zu 2 bar Überdruck erhöht wird. Der Sauerstoff wird über eine Maske, eine Haube oder bei einer Tracheotomie über einen Tubus verabreicht. Je nach Erkrankung dauert die Behandlung 90 bis über 300 Minuten und kann mehrmals täglich erforderlich sein (mehr).
|
Unsere Druckkammer ist rollstuhlgängig |
Die hyperbare Sauerstofftherapie besteht darin, nahezu reinen Sauerstoff unter einem Druck einzuatmen, der über dem Umgebungsdruck liegt. Dies ist nur in einer Druckkammer möglich. Aus Kosten- und Sicherheitsgründen wird die Druckkammer mit Druckluft komprimiert. Nach dem Dalton’schen Gesetz entspricht der Gesamtdruck des Atemgases dem Druck in der Druckkammer. Mit steigendem Umgebungsdruck steigt auch der Sauerstoffpartialdruck. Der Sauerstoffanteil des Atemgases bleibt dabei nahezu 100 %. In unserer Druckkammer werden die Patienten in der Regel sitzend behandelt. Abhängig von ihrem Gesundheitszustand können sie auch liegend behandelt werden. Während der Behandlung atmen sie medizinischen Sauerstoff (Carbagas) über eine Gesichtsmaske oder eine Haube ein. Bei Patienten mit Tracheostoma wird ein dichtes Kreislaufsystem am Tracheostoma befestigt; bei intubierten Patienten erfolgt die Sauerstoffzufuhr über einen Tubus. In den meisten Fällen dauert die Sauerstoffatmung zweimal 45 Minuten.
| |||||||
Verkleinerung von Blasen
Das Boyle-Mariotte-Gesetz
(p₁ · V₁ = p₂ · V₂)beschreibt den Zusammenhang zwischen Druck und Volumen eines Gases bei gleichbleibender Temperatur: Steigt der Umgebungsdruck, nimmt das Volumen der Gasblase ab.
Dieser Effekt ist bei der Behandlung von Erkrankungen wichtig, bei denen Gasblasen eine Rolle spielen, zum Beispiel bei der Dekompressionserkrankung (DCS) oder einer arteriellen Gasembolie (AGE).
Auch während der Dekompression ist dieser Zusammenhang zu beachten. Hält ein Patient dabei den Atem an, dehnt sich die in der Lunge eingeschlossene Luft mit sinkendem Umgebungsdruck aus. Dadurch kann ein pulmonales Barotrauma entstehen, zum Beispiel ein Pneumothorax.
Temperaturänderungen
Das Charles ‘Gesetz beschreibt bei konstantem Druck den Zusammenhang zwischen dem Volumen und der absoluten Temperatur eines Gases (V₁ / T₁ = V₂ / T₂).
Bei der Kompression erwärmt sich das Gas; bei der Dekompression kann es sich abkühlen. Diese Temperaturänderungen sind besonders bei der Behandlung von Kindern sowie schwer kranken oder intubierten Patienten zu berücksichtigen.
Erhöhung der Sauerstoffmenge im Blut
Henry Gesetz besagt, dass bei gleichbleibender Temperatur die Konzentration eines Gases, das sich in einer Flüssigkeit löst, proportional zu seinem Partialdruck über der Flüssigkeit ist.
Atmet der Patient, während der hyperbaren Sauerstofftherapie Sauerstoff unter erhöhtem Umgebungsdruck ein, steigt der Sauerstoffpartialdruck. Dadurch kann sich mehr Sauerstoff im Blutplasma lösen als bei normalem Umgebungsdruck.
Erhöhung der Sauerstoffmenge in den Geweben
Unter hyperbarem Druck steigt der Sauerstoffpartialdruck im Blutplasma. Dadurch entsteht ein stärkerer Diffusionsgradient, entlang dessen Sauerstoff aus den Kapillaren in das umliegende Gewebe unterversorgte diffundieren kann. Dies kann die Sauerstoffverfügbarkeit insbesondere in schlecht durchbluteten Gewebebereichen erhöhen und sauerstoffabhängige Prozesse unterstützen, die am Heilungsverlauf beteiligt sind.
Das Krogh-Zylinder-Modell zeigt die Sauerstoffdiffusion von einer Kapillare in das umgebende Gewebe.
Klaustrophobie Platzangst kommt eher selten vor: in ca 3% in einer Einmannkammer und in ca. 1% der Patienten in der Mehrpersonenkammer führt sie zu Angstzuständen. In unserer eigener Erfahrung der letzten 29 Jahren erlebten wir Klaustrophobie in nur 2% der Patienten. Oft, gewöhnen sich die Patienten an der Druckkammer nach ein paar Behandlungen. | ![]() Klaustrophobie kann eine Panik auslösen |
Nebenwirkungen durch den Druck
Mittelohr Zwischen 13% und 17% der Patienten berichten über Taubheitsgefühle oder Druck im Ohr, der bis zu starken Ohrenschmerzen reichen kann. Die Beschwerden klingen innerhalb weniger Tage von selbst oder nach der Anwendung von Nasentropfen ab. Manchmal muss die Behandlung deshalb für einige Tage unterbrochen werden. Diese Nebenwirkungen (Klassifikation nach Teed) können durch einen langsamen Druckanstieg vermieden werden. Bei einer Erkältung sollte die Behandlung vorsichtshalber pausiert werden. | Ansicht des Trommelfelles mit verschiedenen Stadien vom Druckschaden
|
Nebenhöhlen Kommt selten vor. Genaue Zahlen sind nicht bekannt. In den 30 Jahren unserer Tätigkeit haben wir einen solchen Fall noch nie erlebt. Die Beschwerden treten meist beim Druckabbau auf und äussern sich durch Schmerzen sowie blutigen Nasenschleim, meistens im Bereich der Kieferhöhlen. Behandelt wird mit einem langsamen Druckabbau und reichlich Nasentropfen; bei Bedarf können Schmerzmittel eingenommen werden. | ![]() Ein meist einseitig auftretender, plötzlicher Schmerz während der Dekompression. |
Lungen Weniger als ein Fall pro 100’000 Behandlungen. In den 35 Jahren unserer Tätigkeit haben wir einen solchen Fall noch nie erlebt. Vorsicht ist bei Patienten geboten, die bereits einen Pneumothorax hatten oder bei denen Blasen in der Lunge vorliegen. Eine Lungentransplantation ist keine Kontra-Indikation für HBOT. Tritt ein Pneumothorax auf, geschieht dies während der Dekompressionsphase. Die Behandlung muss noch in der Druckkammer mittels einer Thoraxdrainage erfolgen. | ![]() Bei einer zu schnellen Dekompression können Lungenbullae reissen. Eine mögliche Folge ist eine Gasembolie im Gehirn. |
Sauerstofftoxizität
Gehirn
Ein solcher Vorfall tritt nur in Form eines generalisierten tonisch-klonischen Anfalls (Grand-mal-Anfalls) auf. Bei Patienten ohne Risikofaktoren und einem Kompressionsdruck von 240 bis 250 kPa liegt die Häufigkeit bei einem Anfall pro 12’000 bis 14’000 Kompressionen. Als zusätzlichen Schutz legen wir Sauerstoffpausen mitten in der Sitzung ein. Es bleiben keine Folgen zurück, und das EEG ist normal. Es gibt keine individuelle Überempfindlichkeit des Gehirns gegen Sauerstoff. Beobachtet wird, dass der NO-Spiegel kurz vor der Krise plötzlich ansteigt. Dies führt zu einer Zunahme des zerebralen Blutflusses und folglich der freien Radikale.
Lungen
Bei der klinischen ambulanten hyperbaren Sauerstofftherapie kommt ein Lungenschaden nicht vor, da die tägliche Sauerstoffexposition dafür zu kurz ist. Seltene Fälle wurden bei intensivmedizinisch behandelten Patienten beschrieben. Schluss mit der Behauptung, HBOT sei schädlich für die Lunge. Augen Bis zu 78% der Patienten entwickeln nach 40 aufeinanderfolgenden Behandlungen eine vorübergehende Kurzsichtigkeit (Myopie). Dieser Anteil ist höher, wenn Patienten Sauerstoff über eine Haube statt über einer Gesichtsmaske einatmen. Als mögliche Ursache wird eine Opaleszenz der Linse angenommen, die deren Brechkraft verändern kann. Nach einigen Monaten bildet sich die Myopie zurück. Es können jedoch Veränderungen zurückbleiben, die der Patient selbst nicht bemerkt. Eine Augenuntersuchung ist nicht erforderlich. Katarakte wurden nach mehr als 100 aufeinander folgenden Behandlungen beschrieben. | ![]() Da sich die Kurzsichtigkeit innerhalb kurzer Zeit zurückbildet, ist ein Besuch beim Augenarzt nicht erforderlich. |
HBOT führt zu einem unmittelbaren Anstieg des Sauerstoffpartialdrucks im Blut und im Gewebe.
Unter Normaldruck kann man nicht mehr als 100% Sauerstoff einatmen. In einer hyperbaren Umgebung kann der Umgebungsdruck auf das Dreifache ansteigen. Dadurch erhöht sich die Sauerstoffmenge auf bis 300%, es entstehen mehr freie Sauerstoffradikale und der Sauerstoff kann sich besser im Gewebe verteilen. Freie Sauerstoffradikale werden hauptsächlich in den Mitochondrien unserer Zellen gebildet. Diese sind sehr instabil und reagieren unmittelbar mit Enzymen, Proteinen oder Genen in unserem Körper. Diese Reaktivität bildet die Grundlage für die meisten Wirkungen der HBOT. Aufgrund ihrer Toxizität regen freie Radikale sofort die Bildung von Radikalfängern an, sodass ein schützendes Gleichgewicht entsteht.
Wirkung der HBOT auf Blasen
HBOT und zerebrale Gasembolie
Kohlenmonoxyd
Reperfusionsschaden
Wundheilung
Gasbrand
Entzündungshemmung
Knochenbau, Knorpelbau, Ligamentenbau
Infektion
Präkonditionierung
Die hyperbare Sauerstofftherapie ist für die Behandlung folgender Krankheiten im ambulanten (TARDOC) und im stationären Bereich (DRG) kassenpflichtig.
Diabetische Wunden
Strahlenchaden nach Krebsbestrahlung
Chronische Osteomyelitis
Osteomyelitis am Kiefer
Tauchunfal
Obwohl die wissenschaftliche Datenlage eher positiv ist, kann die hyperbare Sauerstofftherapie für folgende Indikationen in anderen Ländern, jedoch nicht in der Schweiz abgedeckt werden. Diese etwas veraltete Liste entspricht den Richtlinien aus dem Jahr 2016 der Tenth European Consensus Conference on Hyperbaric Medicine.
HBOT und Spitalmedizin. Die HBOT ist weltweit Teil der Spitalmedizin in vielen Krankenhäuser. HBOT spielt eine wichtige Rolle bei der Bewältigung verschiedener Krankheiten oder schwerer Unfälle. Wir nennen Gasbrand, nekrotisierende Fasziitis, zerebrale Gasembolie, akuten Verschluss der zentralen Netzhautarterie, Sekundärinfektionen und schwere Tauchunfälle. Diese Patienten benötigen eine intensive und multidisziplinäre Betreuung, und die HBOT ist eine davon.
Schwer kranke Patienten können nicht täglich in ein Überdruckzentrum hin und her transportiert zu werden. Sie müssen daher in eine Klinik verlegt werden, wo HBOT zur Spital- und Intensivmedizin gehört. Diese Patienten erfordern aufgrund ihrer multiplen Pathologien eine multidisziplinäre Betreuung und manchmal eine verlängerte Intensivpflege.
Diese Spitäler müssen über eine eigene Druckkammer verfügen, die für die Intensivpflege ausgestattet ist. Das Intensivpflege-personal ist geschult, unter Druckluft zu arbeiten. Die Überdruckkammer erfordert ständig einen sicheren und optimalen Betrieb. Dieses Personal besteht aus einem Druckkammertechniker, einem Hyperbararzt und einer Hyperbarkrankenpfleger und schliesslich einem Sicherheitsbeauftragten mit uneingeschränkten Befugnissen, eine laufende Behandlung zu stoppen, wenn die Sicherheit dies erfordert.

In der Schweiz sind diese Bedingungen nur an den Universitätsspitälern Genf erfüllt, da die Druckkammer Basel nur für ambulante Patienten ausgelegt ist.
Zerebrale Gasembolie
Nekrotisierende fasciitis
Akute Kohlenmonoxydvergiftung
Gasbrand
Für die ambulante Notfallbehandlung wie die Dekompressionskrankheit werden die Positionen TARDOC JG.00.00.10 (Stundenbetrag von 291,68 und einmalig AR.00.0290 verwendet (82,45). Eine solche erste Behandlung dauert normalerweise 5 Stunden, kann aber je nach Bedarf verlängert werden. Weitere Behandlungen, falls erforderlich, dauern normalerweise 2 Stunden.
Für nicht dringende Behandlungen, werden die Positionen TARDOC JG.00.0020 und AR.00.0290 verwendet. Abhängig vom Taxpunktwert, kostet zur Zeit eine Sitzung CHF 360.71.
Für Krankenhauspatienten sind die Behandlungskosten im Krankenhauspaket enthalten. Krankenhäuser können die durch HBOT verursachten zusätzlichen Kosten mithilfe von den folgenden Positionen den Krankenkassen in Rechnung stellen.



Spezialhaube für Baby
Beatmung durch endotracheale Intubation
Standard HBOT Sitzung




